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Louis XVIII. König von Frankreich

* 17.11.1755 in Versailles
16.09.1824 in Paris

Geboren wurde der spätere Monarch am 17.11.1755 in Versailles als Sohn des Dauphin Ludwig (1729 - 1765)  und seiner Frau Maria Josepha von Sachsen (1731 - 1767). Seit seiner Geburt führte der königliche Prinz den Titel eines Conte de Provence. Er wurde auf den Namen Louis-Stanislaw-Xavier getauft.

Zusammen mit seinen Brüdern den Duc de Berry (den späteren Ludwig XVI.)  und dem Conte d´Artois (später König Karl X.) vom Duc de Vauguyon und dem Bischof von Limoges erzogen. Sie werden auf den damals üblichen Wissensgebieten (Religion, Altertum, Mathematik, Geschichte) unterrichtet. Im Alter von 16 Jahren wird er mit Louise-Marie-Josephine de Savoyen verheiratet und wird Teil der höfischen Gesellschaft Ludwig XV.

Da der Prinz zu seinem Leidwesen über keinen politischen Einfluss verfügte, vergnügte er sich mit Reisen und der Lektüre und finanziellen Transaktionen. Eine seiner größten Leidenschaften ist jedoch das Essen, sodass er bereits in jungen Jahren über eine beachtliche Leibesfülle verfügt.

Nach dem Tode des Großvaters Ludwig XV. wurde sein ältester Bruder am 10.05.1774 als Ludwig XVI. französischer König. Dabei wurde das politische Interesse der Conte de Provence erneut enttäuscht, da seine erwartete Berufung in den Ministerrat nicht erfolgte. Einzig bei der Frage zur Zulassung von Parlamenten gab ihm die Möglichkeit zur Mitsprache. Doch führte dies zum dauernden Disenz zwischen dem König und Louis-Stanislaw-Xavier. Da der Conte zu aristokratisch gesinnt war, wurde er wieder von der politischen Bühne entfernt. Er tritt erst wieder am Vorabend der Revolution von 1789 politisch in Erscheinung. So übernahm er den Vorsitz der Notablenversammlung, wo er für die Rechte des Adels eintrat und lediglich augenscheinlich auf die Forderungen des 3. Standes einging. Im Sommer 1789 sprach er sich zusammen mit seinem Bruder den Conte d´Artois gegen einen Vorschlag Jacques Neckers aus, die Stände zu vereinigen.

Die politische Situation völlig verkennend erlebt er den Ausbruch der Revolution in Versailles und bleibt auch nach dem Wechsel des Hofs von Versailles nach Paris am Hofe. Er wird in das Palais Luxembourg einquartiert und beteiligt sich an den politischen Intrigen, die das politische Leben in der Hauptstadt bestimmen. Zusammen mit Mirabeau entwirft er Fluchtpläne für die Flucht der königlichen Familie oder schmiedet Mordpläne gegen den Führer der Nationalgarde La Fayette und Bailly im Zusammenhang mit der Entführung des Monarchen. Rechtzeitig, auf Anraten Mirabeau, distanziert er sich von solchen Plänen. Sein Ruf leidet unter den Zeitgenossen durch sein ungeschicktes, illoyales Taktieren. Er wird als feige, schwach und politisch unbedeutend wahrgenommen.

Im Jahre 1791 plant er zusammen mit der königlichen Familie die Flucht aus Frankreich und er erreicht Koblenz und schließt sich den Gegenrevolutionären an, die derzeit durch den Conte d´Artois angeführt wurden. Im Rahmen der durch die diplomatischen und militärischen Operationen der Verbündeten musste er sich erneut einem Bruder unterordnen. Zugleich musste er auch seinen Lebenstil den neuen Verhältnissen entsprechend anpassen. Im Jahre 1792 nimmt er am Feldzug seines Bruders teil und verlässt im August 1792 Koblenz an der Spitze von 6.000 Soldaten, um sich dem preussischen Truppenverbänden anzuschließen. Das Heer des Conte de Provence greift kam in das Kampfgeschehen ein und muß sich zusammen mit den preussischen Truppen zurückziehen.

Im Dezember 1792 erhalten der Conte de Provence und der Conte d´Artois im westfälischen Hamm Asyl. Dort erreicht sie auch am 26.01.1793 die Nachricht von der Hinrichtung ihres Bruders Ludwig XVI. woraufhin der Conte de Provence den seinen Neffen den Dauphin (1785 - 1795) zum neuen König Ludwig XVII. und ernennt sich selbst zum Regenten und den Conte d´Artois zum Generalleutnant von Frankreich. Auch wenn er jetzt den Titel eines Regenten von Frankreich erhalten hatte, wird er stets von Geldsorgen geplagt und führt ein Wanderleben in Europa. Nach dem Tod des Dauphins krönt er sich im Juni 1795 in Verona zum König krönen und führt nun den Titel Ludwig XVIII. Zugleich beginnt er mit einem politischen Programm, das sich immer mehr von seinen radikalen Ideen der vergangenen Jahre entfernt. Im Jahre 1797 verwirft er den Ruf nach Vergeltung, selbst für die Königsmörder und zwei Jahre später ist er sogar bereit, die administrativen und juristischen Gegebenheiten der Revolution an.

Im Jahre 1803 bot Napoleon ihm an, auf den Titel eines Königs von Frankreich zu verzichten und dafür ein eigenes Territorium zu erhalten. Dieses lehnte er ab und musste in Folge der napoleonischen Kriegszüge immer wieder fliehen bis er sich 1807 nach England gibt. Dort durfte er seinen Titel nicht führen und wurde angewiesen, sich mindestens 50 Meilen außerhalb Londons aufzuhalten. Insgesamt hält sich Ludwig XVIII. sieben lange Jahre in England auf und knüpft Kontakte zum späteren Personal seines Hofes. Neben dem Tod seiner Frau am 10.11.1811 muss er auch mehrere schwere Krankheiten, die ihm zum Teil sogar an den Rollstuhl fesseln, verkraften.

Nach der vernichtenden Niederlage in Russland und dem kontinuierlichen Vorrücken keimt bei Ludwig XVIII. eine neue Hoffnung auf seine Rückkehr nach Frankreich auf. In einer Erklärung von 01.02. 1813 erkennt er die administrativen und juristischen Strukturen Frankreichs an und erklärt den erneut den Verzicht von Vergeltungsmassnahmen und Verfolgung. Ab Januar 1814 wird wird mit finanzieller Unterstützung der englischen Regierung und dem "Willen der Nation" seine Rückkehr vorbereitet.

Am 17.04.1814 bietet die provisorische Regierung unter Leitung von Talleyrand im die Königskrone Frankreichs, unter der Voraussetzung das er den vom Senat ausgearbeiteten Verfassungsentwurf akzeptiert. Sie sieht eine Rückkehr zur Verfassung von 1791/92 vor - einem Herrschaftsvertrag zwischen König und souveränen Volk. Er schlägt dieses jedoch überraschenderweise aus, sieht er sich doch als Louis XVIII., dessen Herrschaftsanspruch weder aus dem Kontext der Revolution noch als den ihm verhassten Empire herleitet. Er sieht seinen Machtanspruch in der Legalität der französischen Monarchie. Am 04.06.1814 verkündet er die Charta Constitutionelle, die sich in der Frage der königlichen Legitimation von den Prinzipien der Revolution distanziert und dennoch die politischen und administrativen Neuerungen der Jahre 1789 - 1814 berücksichtigt.

Der Verfassungskompromiss bildet die Grundlage für eine Versöhnungspolitik, die in großen Teilen der radikalen Gegenrevolutionären und auch bei der napoleonisch gesonnenn Armee auf offene Ablehnung stößt. So spielte er mit seinem nicht entschlossenen Versuchen, viele Alltagsprobleme Napoleon bei dessen Rückkehr im Frühjahr 1815 die Armee und weite Teile Frankreichs in dessen Hände. Am 15.03.1815 flüchtet Ludwig erneut aus Paris und wird von Fouche und Talleyrand nach Napoleons Niederlage erneut als Monarch eingesetzt. Damit war zwar sein äußerlicher Status wiederhergestellt, aber das Land war sehr weit von Versöhnung zwischen Herrscher und Volk entfernt.

Nach 1815 wurde die Besatzung durch die alliierten Truppen und hohe Kriegszahlungen zu einem großen Problem des Monarchen. Des weiteren gelang es ihm nicht, den wachsenden Einfluß der Ultra-Royalisten zu unterbinden. Bei den Parlamentswahlen im August 1815 erzielten diese einen großen Sieg, den sie gleich für ihre Zwecke instrumentalisierten. So gab es eine landesweite - zum Teil von Terror begleitete - Säuberungswelle gegen verdiente Militärs Napoleons und hoher Staatsbeamter. So wurde die Laufbahnen Talleyrands und Fouches beendet. Die Steigerung der Konflikte zwischen Royalisten und Liberalen führte im Jahre 1816 zur Auflösung und Neuwahlen des Parlaments. Dabei fördert er diejenigen Kanidaten, die sich der Mäßigung verschrieben haben, damit er über eine stabilere Mehrheit in der Kammer verfügt.Bei dieser Politik kommt er besonders dem Bürgertum entgegen. Nach dem Anschlag auf den Duc de Berry (1778 - 1820) am 04.02.1820 ändert sich die Politik in Frankreich wieder vom Liberalismus ab. Nach dem Rücktritt Decazes am 20.02.1820 wird dir Politik wieder radikalisiert und viele liberale Errungenschaften abgeschafft. Am 31.03.1820 wird ein neues Zensurgesetz eingeführt und auch eine Änderung des Wahlgesetzes gewährt den 23.000 reichsten Familien des Landes ein doppeltes Stimmrecht.

Das Ministerium unter Jean Baptiste Villéle (1773 - 1854) fußt nunmehr auf der starken parlamentarischen Mehrheit der Royalisten, sodass es zu tief greifenden Einschnitten in die Pressefreiheit und dem Hochschulwesen kommt. Auch nach außen hin konnte man durch die Intervention in Spanien Erfolge aufweisen. Bei den Parlamentswahlen im März 1824 vermehren die Royalisten ihren Einfluss.

Durch seine Krankheit ist er so stark gezeichnet, das er noch während seiner Rede bei der Eröffnung der Kammer am 24.03.1824 einschläft. Er verstirbt am 16.09.1824 in Paris. Seine sterblichen Überreste werden in der Kathedrale von Saint-Denis beigesetzt.