Johann Wilhelm Ludwig Gleim
* 02.04.1719 Ermsleben / Halberstadt
† 18.02.1803 Halberstadt

- Johann Wilhelm Ludwig Gleim
Johann Wilhelm Ludwig Gleim erblickte am 02.04.1719 als Sohn eines Obersteuereinnehmers in Ermsleben bei Halberstadt das Licht der Welt. Er entstammte somit einer bürgerlichen Beamtenfamilie. Seine erste Schulbildung erhielt Gliem zunächst durch einen protestantischen Geistlichen und ab 1730 besuchte er die Oberpfarrschule in Wernigerode; ab 1738 schrieb er sich als Student Rechtswissenschaften der Universität Halle ein. In dieser Zeit gründete sich eine literarische Freundschaft mit Johann Peter Uz (1720 - 1796) und Johann Nikolaus Götz (1721 - 1781). Das Studium wurde ihm durch wohlhabende Gönner nach dem Tod der Eltern im Jahre 1735 ermöglicht.
1740 ging Gleim zunächst als Hauslehrer nach Potsdam, erhielt jedoch noch im selben Jahr eine Anstellung als Sekretär des Prinzen Wilhelm von Brandenburg-Schwedt. In dieser Zeit lernte er auch den Lyriker und Übersetzer Immanuel Jakob Pyra (1715 - 1744) kennen, dessen Einfluss sich auf Gleims Werk stark auswirkte.
Im Jahre 1744 begleitete Gleim den Prinzen von Brandenburg-Schwedt in den zweiten schlesischen Krieg. Nach dem Tode des Prinzen trat er in die Dienste des Fürsten Leopold von Dessau. Die rücksichtslose Behandlung seines Arbeitgebers veranlasste ihm sich nach einem neuen Betätigungsfeld umzusehen. Dieses fand er 1747 als 2. Sekretär des Domkapitels in Halberstadt. Im gleichen Jahr noch folgte seine Beförderung zum Hauptsekretär und ein Kanonikat am Stift Walbeck, das für gute Einnahmen sorgte. Dadurch musste er sich bis zu seinem Lebensende keine finanziellen Sorgen mehr machen und konnte seinen Liebhabereien ausgiebig nachgehen. Bis auf die obligatorischen Fahrten einmal im Jahr nach Berlin, um sich um Angelegenheiten seines Stiftes zu kümmern, führten ihn seine Reisen nicht mehr aus der Halberstadter Umgebung heraus.
Im Jahre 1744 veröffentlichte Gleim sein erstes Buch "Versuch in scherzhaften Liedchen", dem im folgenden Jahr bereits der zweite Teil der Sammlung folgte. Er erneuerte in der Lyrik die Form und glaubte, durch die Beseitigung des Reims, einen entscheidenden Beitrag für eine fruchtbare Entwicklung der deutschen Lyrik geleistet zu haben. Gleichzeitig suchte er nach eingängigen Stoffen und fand sie in anakreonitischen Themen, wie sie Hagedorn in die zeitgenössische Literatur einführte.
Neben seiner eigenen schriftstellerischen Tätigkeit pflegte Gleim aber auch seine zahlreichen Freundschaften und Brieffreundschaften mit allen Größen der damaligen deutschen Literaturszene. Sein gastfreundliches Haus zog auch immer wieder junge Talente an, die seine Förderung und Unterstützung suchten und fanden. Zu diesen jungen Talenten gehörte zum Beispiel Franz Alexander von Kleist.
Gliem beschränkte sich in seinem literarischen Werk nicht nur auf die Lieddichtung, sondern versuchte sich in allen damals bekannten Literaturformaten. So gibt es von ihm Fabeln, Lerngedichte, Epigramme. Zu seinen bekanntesten Werken gehören seine "Preussischen Kriegslieder in dem Feldzügen 1756 und 1757 von einem Grenadier.", das er im Jahre 1758 veröffentlichte.
Den aufkommenden Sturm und Drang in der Literatur konnte Gleim nichts abgewinnen, da für ihn sein Ideal das fridezianische Preussen war und bis zu seinem Tode blieb. So wurde er zum Gegner der Französischen Revolution.
Im Jahre 1801 erblindet der greise Gleim, auch eine Operation konnte sein Augenleiden nicht verbessern. Er starb am 18.02.1803 in Halberstadt.
Werke
- Preussische Kriegslieder in den Feldzügen 1756 und 1757 (1758)