Louis Donatien Francios Alphonse Marquis de Sade
* 02.06.1740 in Paris
† 02.12.1814 in Charenton
Geboren wurde Louis Donatien Francios Alphonse Marquis de Sade am 02.06.1740 im Palast des Prinzen von Conde, mit dem seine Mutter verwandt war. Sein Vater war königlicher Generalleutnant und Gesandter des französischen Hofs in Rußland.
Mit 4 Jahren übernahm die Großmutter und später der Onkel, Abbe Francios de Sade, die Erziehung des Jungen. Der Abbe de Sade machte sich mit der Übersetzung der Petraca einen wissenschaftlichen Namen, ansonsten war dieser jedoch ein sittenloser Priester: hielt er sich doch Mutter und Tochter auf seinem Schloss als Geliebte. Im Alter von 10 Jahren besuchte er das College Louis des Großen in Paris, beendete es jedoch nicht mit besonderen Auszeichnungen.
Von 1757 bis 1761 nahm de Sade in den Reihen eines Kavallerieregiments am Siebenjährigen Krieg teil. Zuletzt stand er im Range eines Hauptmanns, ehe er 1761 seinen Dienst quittierte.
Am 17.05.1763 heiratete der Marquis Renée Pélagie de Montreuil, einer Angehörigen des französischen Amtsadels. Vermutlich hatten beide 3 Kinder.
Kurz nach der Ehe beginnt das skandalöse Leben des Marquis. Er missbrauchte immer wieder junge Prostituierte und Hausangestellte beiderlei Geschlechts. So wurde er 1770 im Zusammenhang mit Vorwürden der Rose Keller, die behauptete, von ihm ausgepeitscht worden zu sein, verhaftet. Nach der Zahlung von 100 Louisd´or nahm sie Abstand von einer Klage. 1772 beschwerten sich Prostituierte aus Marsaille von ihm unter Drogen gesetzt worden zu sein. Im Rahmen dieser Katherinenaffaire wurde der Marquis zum Tode verurteilt, entzog sich der Vollstreckung durch Flucht nach Italien. Im Jahre 1778 wurde das Urteil aufgehoben.
Eine erneute Verhaftung de Sades wurde durch seine Schwiegermutter von Montreuil betrieben. Nach 5 1/2 Jahren in Vincennes und einem gescheiterten Fluchtversuch wurde er 1784 in die Pariser Bastille verbracht, wo er bis zum Ausbruch der Französischen Revolution verblieb. In den Jahren im Gefängnis verfasste er einige Schriften. So komplettierte er 1782 den Band Gespräch zwischen einem Priester und einem Sterbenden. In diesem Werk kommt deutlich sein Atheismus hervor, überzeugt doch ein sterbenden Freigeist den Kirchenmann von den Fehlern eines gottesfürchtigen Lebens.
1785 veröffentlichte er seine Novelle " Die 120 Tage von Sodem" in der er eine 120tägige Gewaltorgie und vielfältige sexuelle Spielarten an einer Gruppe entführter und versklavter Jugendlicher beiderlei Geschlechts beschreibt.
Wenige Tage vor dem Sturm auf die Bastille konnte er durch Rufen auf sich aufmerksam machen. Er rief der Menge vor seinem Zellenfenster zu "Sie töten die Gefangen hier drinnen!" und wurde in die Irrenanstalt Charenton überstellt. Manch einer unkt, das ausgerechnet das Schreien des Marquis der Auslöser für den Sturm auf die Bastille war. Eigentlich handelte es sich bei der Bastille um ein exklusives Gefängnis. So ließ sich de Sade von außen bekochen, auch konnte er selbst entscheiden, wie seine Zelle eingerichtet war.
1790 wurde er entlassen, seine Frau ließ sich scheiden . Zunächst arrangierte sich de Sade mit den neuen politischen Verhältnissen in Paris. So konnte er verschiedene öffentliche Ämter bekleiden. Er wurde Mitglied der Jakobiner und vertrat eine utopische Variante des Sozialismus, verweigerte jedoch die Aufgabe des Familienschlosses Lacoste in der Provence und auch die Herausgabe seines Familienvermögens. 1793 gab er seine Posten auf und wurde wegen Moderatismus angeklagt. Er verbrachte ein weiteres Jahr im Gefängnis und entkam 1794 nur knapp der Guillotine.
In den Jahren der Freiheit veröffentlichte er 1791 Les Infortunes de la vertu, eine frühe Version der im gleichen Jahr erscheinenden Justine. In diesem Werk schildert de Sade die Unglücke eines Mädchens, das trotz der Offensichtlichkeit des Gegenteils an Gottes Güte glaubt.
1795 folgte "Aline und Valcour", dem Entwurf eines utopischen Staates, "Philosophie im Schlafzimmer" und das politische Phamplet "Franzosen, noch eine Anstrengung, wenn ihr Republikaner sein wollt", Mit "Juliette" folgte 1798. die Geschichte eines gewalttätigen Sexuallebens einer Kurtisane
1801 erfolgte eine weitere Inhaftierung, auch dieses Mal ohne einen entsprechenden Gerichtsprozess. 1803 erklärte man ihn für verrückt und lieferte in ein zweites Mal in Charenton ein, wo er mehrere Theaterstücke aufführte.
Im großen und ganzen schildern die Werke de Sades Vergewaltigungen und eine Vielzahl sexueller Spielarten und Perversionen, die des öfteren die Grenzen des Möglichen überschreiten. Er verhöhnt die Kirche und stritt für den Absolutismus sowie die Aufgabe sämtlicher Moral und ethischer Regeln zugunsten des Lustprinzips als höchster Instanz. So führte das "Londoner Verzeichnis verbotener Bücher" von Pisanus Fraxi (Index libronum prohibitorm, London 1877) viele seiner Werke.
Werke
- Juliette