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Andre de Chénier

* 29.10.1762 in Konstantinopel / Türkei
† 08.07.1794 in Paris

André Chenier
André Chenier

Der Sohn eines französischen Adeligen und Tuchhändlers und einer Griechin wurde im Jahre 1762 in Konstantinopel - dem heutigen Istanbul - geboren. Im Jahre 1765 zog die Familie, nachdem die Geschäfte des Vaters schlechter liefen, zurück nach Frankreich. Bis zu seinem 11. Lebensjahr lebte der Junge bei einem Onkel in Carcasonne. Erst 1773 zog er zu sener Mutter, die sich in Paris niederließ, wo er ab 1773 das Collége dé Navarre besuchte und dort eine solide klassische Bildung erhielt.. Nachdem er die Schule verlassen hat, nutzte er die Zeit für Reisen nach Italien und in die Schweiz. Der Vater lebte seit 1773 meistens in Salé (Marokko), wo er als französischer Konsul tätig war.

Seine Mutter unterhielt in Paris einen Salon, wo sich Literaten, Maler, Naturforscher, aber auch Archäologen - die klassische griechische Kunst wurde gerade wiederentdeckt - versammelten. Ab 1778 trug er eigene Gedichte vor.

Während seiner kurzen Militärzeit als Offiziersanwärter (1782/83), die er in Straßburg verbrachte, traf er mit Philippe Brunck (1729 - 1803) zusammen. Bruncks Griechische Anthologie war die Grundlage vieler Gedichte Chéniers. Nach seiner Militärzeit verbrachte er die nächsten Jahre als Lebemann innerhalb der Pariser Gesellschaft. Da er in Geldnot geraten ist, bemühte er sich um eine Anstellung im Diplomatischen Dienst.

Chénier arbeite ab 1787 in London als Sekretär an der französischen Botschaft. Während dieser Zeit las er viel englische Literatur bewunderte die Dichter Milton und Shakespeare. So kam es auch, dass er in einem späteren Gedicht Ophelias Song aus Hamlet imitiert. Der Zugang zur englischen Gesellschaft fiel ihm schwer und er fühlte sich wie im Exil. So kehrte er 1790 ins revolutionäre Frankreich zurück.

Er begrüßte die Revolution als notwendiges Ereignis, doch konnte er mit den radikalen Ausschreitungen derselben nicht viel anfangen. So schrieb er ab 1791 in seinen Gedichten und Texten gegen die Jakobiner im seiner Zeitung "Le Jeu de Paume". Er schrieb gegen die Auswirkungen der wahren Freiheit und musste lernen, dass sich seine revolutionären Hoffnungen nicht so schnell verwirklichen ließen.

Der Widerstand Chéniers gegen die Jakobiner wächst und er schrieb viele Artikel im "Le Moniteur". In diesen Artikeln griff er die Jakobinischen Führer auch persönlich an. Diese Artikel waren die Ursache für seinen Untergang. Im Jahre 1792 assistierte er im Prozess gegen Ludwig XVI. dem Verteidiger des Königs, Chrétien Guillaume de Lamoignon de Malesherbes (1721 - 1794)

Nach der Ermordung Jean-Paul Marats (1743 - 1793) durch Charlotte Corday äußerte er sich erneut konterrevolutionär. Er schrieb die  berühmte "Ode an Marie-Anne-Charlotte Corday." Nachdem nach dem Tode Marats die gemäßigten Kräfte in Frankreich besiegt waren, verbrachte Chénier die meiste Zeit in Rouen und Versailles. Dort schrieb er Verse und studierte verschiedene Dinge. In Versailles lernt er Madamme Le Coulteux kennen, welche die Fanny in seinen Gedichten werden sollte. Er arbeite tagsüber an seinen Gedichten und schrieb die Verse an "Fanny" in der Nacht. Madamme Le Coulteuxs Freundschaft und Familie war eine Quelle großer Freude für den Dichter.

Am 07.03.1794 wurde Chénier bei einer Feier bei Madame Pastoret in Passy verhaftet. Man brachte ihn für 141 Tage in das Gefängnis St. Lazare. Die Zeit im Gefängnis war für ihm schwer, hatte er doch mit vielen Gefangenen Jahre zuvor im Salon seiner Mutter oft Reibereien gehabt. Im Gefängnis schrieb er weiterhin Gedichte, die er mit seiner Wäsche heimlich herausschmuggelte. Hier traf er auch Anne Francoise-Aimée de Franquertot de Coign, die seine Muse wurde. Im Gefängnis schrieb er auch sein Hauptwerk "La Jeune Captive", das er auf  dem Weg zur Guillotine übergab er es heimlich an Coigny. In diesem Werk reflektiert er die Sehnsucht des zum Tode verurteilten Dichters wieder, Coigny verdrängte in ihren Memoarien die Gefühle Chéniers vollkommen.

Nach langen Debatieren hofften Chenier und sein Bruder Marie-Joseph, das das Tribunal sie vergessen habe. Ihr Vater jedoch machte immer wieder auf den Fall aufmerksam und verlangte eine Haftentlassung seiner Söhne. So wurde Chénier am 07.07.1794 vor das Tribunal gebracht und am nächsten Tage hingerichtet. Auf dem Wege zum Hinrichtungsplatz soll er noch zu einem Mitgefangenen gesagt haben: "Ich hinterließ nichts für die Nachwelt und nun?" und er packte sich an die Stirn. "Ich habe dort etwas hinterlassen." Neunzehn Tage später folgte ihm Maximilian Robespierre auf die Guilliotine und damit war das Ende der Terrorherrschaft eingeläutet.

Zu Lebzeiten wurden nur wenige seiner Gedichte veröffentlicht. Erst 1819 wurde die erste Edition seiner Gedichte publiziert und die Masse würdigte seine Begabung.