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Jean Joseph Tranchot

* 02.01.1752 in Kœur-la-Petite / Département Meuse
† 00.04.1815 in Linas / Département Essonne

Der Sohn eines Schneiders erblickte am 02.01.1752 das Licht der Welt. Seine Geodätische Ausbildung erhielt er vermutlich in Nancy, aber diesbezüglich gibt es bis zum heutigen Tage keine eindeutigen Erkenntnisse.

Im Jahre 1774 sammelte der junge Tranchot erste Erfahrungen bei der Triangulation Korsikas durch die französische Krone, die die Insel einige Jahre zuvor von Genua erworben hatte. Weitere Erfahrungen in Trigometrie und Astronomie  erwarb er sich bei Pierre Méchain. Mit den neu erworbenen Kenntnissen gelang es ihm die Küstengebiete Korsikas, Sardiniens und der Toskana durchzuführen. Im Jahre 1791 wurde ihm für diese Arbeit die besondere Anerkennung der Akademie der Wissenschaften ausgesprochen.

Von 1792 bis 1799 nahm er an der Triangulation des Gebietes zwischen Dünkirchen, Paris und Barcelona teil, wobei beide den südlich von Paris gelegenen Teil der Strecke bearbeiteten und wertschätzen lernten. Bereits im Jahe 1794 wurde Tranchot in den wissenschaftlichen Stab des Dépot de la Guerre berufen wo er im Range eines Colonel Dienst tat. Die napoleonische Regierung beförderte ihm 1801 zum Chef des "Bureau topographique de la carte des quatre Départements Réunie de la rive gauche du Rhin". (Topographische Abteilung zur Kartierung der vier vereinigten linksrheinischen Departements), das wie ähnliche Abteilungen auch, gezielt für die Katographierung potentieller Kriegsschauplätze gegründet wurde. Die Arbeiten dauerten von 1801 bis 1814. Die Aufgabenstellung war klar umrissen: Gleichwertige Karten, die denen von Cassini entsprachen im Maßstab 1:86400 für die Departements Roer, Rhein und Mosel, Saar und Donnersberg. Das Gebiet erstreckte sich von Aachen über Koblenz, Trier bis nach Mainz.

Abgesehen von der Entwicklung modernerer Messverfahren und Geräte, bei denen M. Maissiat oft als begabter Mitarbeiter genannt wurde, hatte sich Tranchot auch stets leidenschaftlich bemüht um die Vereinheitlichung der graphischen Darstellung von topographischen Daten, die auch viele tiefergehende Informationen von wirtschaftlichem Nutzen umfassten sollten. Seinen neuen Auftrag sah er vermutlich als beste Gelegenheit an, diese Ideen umzusetzen und ein Kartenwerk zu erstellen, das die über fünfzig Jahre älteren Cassini-Karten in jeder Hinsicht übertraf.

Tranchot und sein Mitarbeiterstab nutzten und entwickelten Modernisierungen für fast alle Teilbereiche ihres Projektes. Sie verbesserten die Messinstrumente und Methoden und erfanden eigene, sinnvolle Gestaltungsrichtlinien, wo diese fehlten. Ab 1803 gab das Dépôt de la Guerre allmählich topographische und technische Richtlinien vor, in denen auch viele Ideen und Erfahrungen Tranchots und seiner Mitarbeiter berücksichtigt wurden.

In Aachen besuchte Napoleon 1804 persönlich das Zeichenbüro und erboste sich über das langsame Fortschreiten der Arbeit. In einem Brief an seinen Kriegsminister Louis Alexandre Berthier ist zu lesen:

»Ich weiß nicht warum Kataster für den Krieg erforderlich sein sollten.«

Tranchot konnte noch erreichen, dass sein neuer Arbeitsmaßstab nicht auf 1:50.000 sondern auf 1:20.000 festgelegt wurde. Ab Ende 1807 wurden dennoch immer mehr Vorabkarten bis hin zum Maßstab 1:100.000 erstellt, die auf Kopien vorhandener Karten, Kataster und eilig ermittelter Daten beruhten. So gelang es den anderen Mitarbeitern eine Fortsetzung der genauen Bestandsaufnahme im Maßstab 1:20.000 zu ermöglichen.

Drei Arbeitssektionen teilten sich die verschiedenen Aufgaben. Unter der Leitung von Tranchot und seinem Vertrauten Pigeou erstellte die erste Sektion Triangulations-Dreiecke der ersten und zweiten Ordnung. Zwei weitere Sektionen beschäftigten sich mit der Topographie und bestanden aus ein bis zwei Ingenieuren, zur Vermessung und Kalkulation, begleitet von einer Gruppe von meist gut ausgebildeten Ingenieurgeographen für Geodäsie und Kartographie.

Napoleon behielt das Projekt weiter argwöhnisch im Auge. 1809 zweifelte er an der Führung des Dépôt de la Guerre, nachdem ihm eine Vorabkarte im Maßstab 1:100.000 vorgelegt worden war, die ihm nun wiederum zu klein war, wo er schließlich von Anfang an nur eine Erweiterung der vergleichsweise rückständigen Cassini-Karten aus der Zeit des Ancien Régime angeordnet hatte:

»Ich verlangte eine Erweiterung der Cassini-Karte und Sie legen mir einen kleineren Maßstab vor. Das Kriegsministerium wird schlecht geführt.«

Bis 1814 entstand trotz alledem ein Kartenwerk von bemerkenswerter Qualität unter immer schwieriger werdenden Arbeitsbedingungen, je weiter das Kriegsgeschehen der Epoche fortschritt. Die Anzahl der Mitarbeiter war stets starken Schwankungen ausgesetzt. 1812 erlitt Tranchot einen Unfall. Sein Büro war inzwischen von Aachen nach Trier verlegt worden und wurde 1814 nach der Absetzung Napoleons aufgelöst. Das unvollendete Kartenwerk wurde vorerst nach Paris gebracht.

Jean Joseph Tranchot starb 1815.