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Friedrich August Ludwig von der Marwitz

* 29.05.1777 in Berlin
† 06.12.1837 in Firedersdorf bei Küstrin

Friedrich August Ludwig von der Marwitz wurde am 29.05.1777 als Sohn des Königlichen Kammerherrn Behrend Friedrich August von der Marwitz (1740-1793) und seiner Ehefrau Susanne Sophie Marie Louise, geborene von Beville (1759-1809), geboren.

Die Berufswahl des jungen F. A. L. Von der Marwitz bedurfte keiner großen Überlegungen, entstammte er doch einer Soldatenfamilie. Die Familie von der Marwitz entstammte dem neumärkischen Uradel und wurde erstmalig 1259 urkundlich erwähnt. Von seinen männlichen Vorfahren dienten alle als Offiziere in der brandenburgisch-preussischen Armee. Insgesamt entstammten der Familie zu diesem Zeitpunkt bereits 11 Generäle. Zwei seiner Onkel führten bereits das angesehenen Kürassier-Regiment Gensdarmes in Berlin. Die Offiziere dieses Regiments stammten alle aus den angesehensten Familien Preussens.

Im Jahre 1790 - im Alter von nur 13 Jahren - trat er in das Kürassier-Regiment Gensdarmes als Kornett ein. Als er 15 Jahre alt war verstarb der Vater und so musste er sich neben seinen militärischen Pflichten auch um das Wohl der Mutter und seiner jüngeren Geschwister kümmern. Er übernahm auch die Verantwortung für das elterliche Gut Friedersdorf bei Seelow im Oderbruch. So pendelte er in dieser Zeit zwischen dem Marstall in Berlin und dem Oderbruch regelmäßig hin und her. 

Seine ersten Kriegserfahrungen sammelte der junge Offizier bei der Niederschlagung des polnischen Aufstandes. Sein Regiment wurde im Herbst 1794 von Berlin nach Polen verlegt. Dort machte er auch die Erfahrung, dass die zum preussischen Militärdienst gepressten Polen die Chance nutzten und in großer Zahl desertierten.

Während seiner Zeit als Offizier des vornehmen Regiments Gensdarmes hatte er auch häufig Gelegenheit bei Hofe zu verkehren. Schon als Fahnenjunker wurde er dem königlichen Prinzen vorgestellt und als Leutnant nahm er des öfteren an Hofbällen teil. Bei der Beisetzung König Friedrich Wilhelm II. trug Marwitz die Reichsinsignien vor dem Sarg her. Mit König Friedrich Wilhelm III. war er persönlich bekannt, jedoch entstand zwischen den beiden unterschiedlichen Männern kein Vertrauensverhältnis. So schnitt der König den jungen Offizier beispielsweise über Jahre, als dieser die kindische Freude des Monarchen über kleine Veränderungen an der Uniform kritisierte. Er war es auch, der in seinen Memoarien das zauderhafte Verhalten des Königs so stark kritisierte wie kein anderer Zeitgenosse.

Im August 1802 verließ er als Premierleutnant das Regiment Gensdarmes um sich im vollem Umfange dem elterlichen Gut in Friedersdorf. Im Juli 1802 hatte er sich bereits mit Sophie Franziska von Brühl, Enkelin des ehemaligen sächsichen Premierministers Heinrich von Brühl, verlobt, die er im Sommer des Jahres 1803 heiratete. Jedoch verstarb seine Ehefrau nach kaum einjähriger Ehe. Die Beziehung war voller Innigkeit und so ließ er auf ihren Grabstein schreiben: »Hier ruht mein Glück.«.

Durch die politischen Ereignisse in der Mitte Europas. Österreich verbündete sich mit Russland gegen das napoleonische Frankreich. Nun musste aus Sicht von Marwitz das preussische Herr zu den verbündeten Truppen stoßen. So suchte er beim König um den Wiedereintritt in den Militärdienst nach. Friedrich Wilhelm III. entsprach dem Ansinnen und ernannte ihm zum Rittmeister und Adjutanten des Fürsten Hohenlohe. Der König wollte jedoch keinen Krieg und ehe sich Preussen entschied an der Seite Österreichs und Russlands in den Krieg einzugreifen, war die Schlacht von Austerlitz am 02.12.1805 mit dem größten Sieg Napoleons zu Ende gegangen. Von der Marwitz zog sich wieder auf sein Gut Friedersdorf zurück und nahm zum 2. Mal seinen Abschied. Von der Marwitz war vom Zögern des preussischen Königs und der überaus französisch gestimmten Gesinnung in Berlin enttäuscht worden. Während eines Feuers auf seinem Gute wurden Ställe und Scheuen sowie die Ernte des Vorjahres zerstört.

Im Jahre 1806 wollte Napoleon das ehemalige Königreich Hannover - 1803 an den preussischen Staat gefallen - zurück erhalten. Ein preussisches Ultimatum ließ der französische Kaiser erfolglos verstreichen und so überschritt er im September 1806 die preussische Grenze und missachtete so die Neutralität des Staates.

In der Zeit vor dem Kriegsausbruch forderte der Fürst Hohenlohe erneut den Rittmeister von der Marwitz als seinen Adjutanten an. Der König willigte ein und so konnte Marwitz am schicksalsschweren 14.10.1806 bei Jena teilnehmen. Rittmeister von der Marwitz bewies an diesem Tage große Tapferkeit. Obwohl ihm ein Pferd unter dem Leib erschossen und der Hut von Kugeln durchlöchert war, führte er immer wieder wankende Regimenter in die Schlacht zurück. Als am 28.10.1806 die Festung Stettin kampflos in die Hände Frankreichs fiel, gehörte neben dem Fürsten von Hohenlohe auch Oberst Christian von Massenbach und Rittmeister F. A. L. von der Marwitz zu den Gefangenen. Marwitz konnte jedoch über Dänemark und Schweden letztendlich ins ostpreussische Memel fliehen.

Dort traf er auch wieder auf Friedrich Wilhelm III. und bat ihm um die Aufstellung eines Freikorps. Dieser Vorschlag wurde zunächst abgelehnt. Die Genehmigung erhielt er 1807 und durfte danach 300 Infanteristen und 700 Reiter unter Waffen nehmen. Er gelangte mit seinem Freikorps nach Rügen wo er einen schwedisch-englischen Vorstoß im Rücken Napoleons unterstützen wollte. Durch den Waffenstillstand im Juni 1807 wurde dieser Einsatz jedoch nicht mehr realisiert. Er nahm erneut seinen Abschied und zog sich als Privatmann nach Friedersdorf zurück, dass er wieder aufbaute.

Im Jahre 1809 schloss er eine zweite Ehe mit Caroline, geborene Gräfin von Moltke (1780-1848)  und bekam mit ihr 9 Kinder, wobei 8 das Wochenbett überlebten. Diese Ehe schien jedoch nicht so glücklich zu sein, wie seine erste kurze Ehe.

Nach dem Tilsiter Frieden versuchte man unter Führung des Freiherrn von Stein die preussischen Verhältnisse zu reformieren und die Grundlagen eines modernen Verwaltungsstaates zu schaffen. Fürst Hardenberg setzte bei den preussischen Reformen vordergründig auf eine starke wirtschaftliche Lösung anstelle einer moralischen Neuorganisation des Staates. Marwitz stellte sich die Frage, ob das Wohl des Staates eher auf ökonomischen oder auf moralischen Prinzipien aufgebaut sein müsste. Im Jahre 1811 trat er als Politiker in Erscheinung, indem er in der sogenannten Lebuser Denkschrift den König frage „unser altes, ehrwürdiges Brandenburg-Preußen ein neumodischer Judenstaat werden solle?“

Als »neumodischer Judenstaat« sah er die Reformen deshalb, weil sie die Bauern aus ihrer Erbuntertänigkeit vom Gutsherrn befreien sollten und Adelsgüter für Bürgerliche erwerbar machte. Für ihm war der adelige Großgrundbesitzer die unaufgebare Basis der hollenzollerischen Machtposition in Preussen. Durch die Reformen würden alte ungeschriebene Verträge die der preussische Adel mit dem preussischen Könige geschlossen und seine Machtansprüche auf den König delegiert habe, gebrochen. Der preussische Adelige fürchtete, dass das kapitalstarke städtische Bürgertum durch Aufkäufe die Adeligen von ihrem angestammten Besitztümern verdrängen würde. Für ihm bestand die Macht des preussischen Adels im Bodenbesitz. Seine antijüdische Haltung richtete sich gegen Mitarbeiter Hardenbergs, die damals durch ihre liberalen Ideen einem jüdischen Einfluss unterstellt wurde. Vielmehr war er davon überzeugt, dass der Adel wie von jeher in alter preussischer Tradition alle Offiziersstellen der Armee besetzen sollte und so die soziale Vormachtstellung in der Struktur des Staates erhalten bleiben sollte. Für viele Familien war die Offizierslaufbahn für nachgeborene Söhne die einzige Möglichkeit, Karriere im Staate zu machen. Oft wurde auf Grund des kargen und sehr unfruchtbaren Bodens in Preussen auf die Erbaufteilung des Gutsbesitzes verzichtet.

1811 wurden von der Marwitz und Finckenstein, beide Verfasser der Lebuser Denkschrift, auf Befehl des Fürsten Hardenberg verhaftet und auf der Festung Spandau inhaftiert. Durch die Intervention des Kronprinzen Friedrich Wilhelm IV. wurde er bereits nach 5 Wochen wieder entlassen.

Im Jahre 1813 bat von der Marwitz erneut um die Reaktivierung zum aktiven Militärdienst. Er bemühte sich um die Ausbildung der neu geschaffenen preussischen Landwehr. Im Gefecht um Wittenberge am 07.06.1813 führte er eine Landwehrbrigade erfolgreich. Für die Kämpfe um Magdeburg wurde er mit dem Eisern Kreuz I. Klasse ausgezeichnet. Im Feldzug von 1815 wurde er zum Oberst befördert und kämpfte als Kommandeur der 8. Ulanenregiments erfolgreich bei Ligny und Namur. Für diesen Einsatz wurde ihm später der Pour-le-Merite verliehen. Nach dem Krieg führte er die 5. Kavalleriebrigade und wurde 1817 zum Generalmajor befördert. Im Jahre 1827 schied er als angesehener Offizier erneut aus dem Militärdienst.

Nach dem Ausscheiden aus der Armee widmete er sich seinem Gut Friedersdorf und war zugleich Landtagsmarschall der brandenburgischen Provinziallandtage. In den letzten Lebensjahren bedachte ihn Kronprinz Friedrich Wilhelm mit zahlreichen Geschenken und Anerkennungen.

Friedrich August Ludwig von der Marwitz verstarb am 06.12.1837 auf seinem Familiengut. Da er Angst hatte, lebendig begraben zu werden, regelte er schon frühzeitig den Ablauf seiner Beisetzung. So sollte die Leiche in einem luftigen Zimmer liegen, bis sich erste deutliche Zeichen von Verwesung zeigten. Weitere Modalitäten seines Begräbnisses und seiner Beisetzung legte er ebenfalls fest. Er wurde, ebenso wie seine beiden Ehefrauen nicht mehr in der Friedersdorfer Kirche sondern im Familiengrab an der Friedhofsmauer begraben.

Der kämpferische Adelige diente Fontane als Vorbild für seine Figur des Berndt von Vitzewitz in "Vor dem Sturm".