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Bogislaw Friedrich Emanuel Graf Tauentzien von Wittenberg

* 17.09.1760 in Potsdam
20.02.1824 in Berlin

Bogislaw Friedrich Emanuel Graf Tauentzien von Wittenberg
Bogislaw Friedrich Emanuel Graf Tauentzien von Wittenberg

Geboren wurde der spätere preussische General als Sohn des friedizianischen Generals von Tauentzien, der während des siebenjährigen Krieges Breslau verteidigte und Schwednitz einnahm.

Am 01.03.1774 tritt er im Alter von gerade einmal 14 Jahren in die Militärakademie in Berlin ein und wird am 01.09.1775 als Fahnenjunker zum Infanterie-Regiment Prinz Heinrich Nr. 35 bei. Von seinem Regimentschef Prinz Heinrich von Preussen, einem Bruder Friedrich des Großen, wurde Tauentzien zum Adjutanten. Tauentzien begleitete Prinz Heinrich in den bayrischen Erbfolgekrieg und au zwei längere Reisen in den Jahre 1784 und 1788 nach Frankreich. Nach der Rückkehr der Reisen blieb er weiterhin am Hofe Heinrichs in Rheinsberg.

Nach dem Tode seines Vaters wurde Tauentzien in den Stab des Königs Friedrich Wilhelm II. berufen. Bereits im Jahre 1790 wurde er zum Major befördert. Mit Patent vom 08.06.1792 Grafentitel und begleitete König Friedrich-Wilhelm II. auf den Feldzug nach Frankreich. Am 13.12. des gleichen Jahres wurde ihm der Orden Pour le Mérite verliehen. Wenige Woche später am 16.02.1793 wurde er zum Oberstleutnant und Flügeladjutanten befördert. Es erfolgte seine Versetzung in das österreichische Hauptquartier des Generalfeldzeugmeisters Clersait. Am 08.01.1794 erfolgte seine Versetzung auf einen noch wichtigeren Posten. Kleist wurde Nachfolger des Grafen von der Golz als Gesandter und außerordentlicher Minister am Hof in St. Petersburg. Aus dieser Stellung kehrte er nach Amtsantritt Zar Paul in die königliche Suite zurück. Einer Bitte des russischen Hofes, Tauentzien erneut zum Gesandten zu ernennen, folgte König Friedrich-Wilhelm nicht.

Im Herbst 1804 trat Tauentzien wieder in den aktiven Truppendienst ein und wurde zum Chef des Infanterie-Regiments Nr. 56 in Ansbach ernannt.  In Ansbach widmete er sich der Ausbildung seiner Offiziere in militärwissenschaftlicher und geselliger Hinsicht. Sein Schwerpunkt galt der Kleinkriegsführung, die in der damaligen Zeit wenig ausgeprägt war.  Doch bereits im Jahre 1805 wurde diese Ruhe durch den Durch- und Einmarsch Marschall  Bernadottes in dem kleinen fränkisch-preussischen Territorium beendet. Dabei verhielt sich General Tauentzien gemäßigt und handelte besonnen, da er auch nicht die Möglichkeit hatte, sich gegen die französische Neutralitätsverletzung zu wehren.

Während der Mobilmachung im Jahre 1805 unterstand das Infanterie-Regiment Nr. 56 dem Armeekorps des Generals Blücher. Nach dem Friedensschluss von Pressburg übernahm Tauentzien kurzzeitig das Kommando. Im Frühjahr 1805 wurde er mit dem Roten Adler-Orden ausgezeichnet. Über den frühen Tauentzien urteilt von der Reiche:

Tauentzien, in der großen Welt aufgewachsen, vor 1806 fast nur Hofmann und Diplomat, hat sich rasch das Vertrauen seiner Untergebenen erworben, ritterlich, mit Leib und Seele Soldat, war 1805 sehr entschieden aufgetreten

Bei Kriegsausbruch 1806 befehligte der verdiente Truppenoffizier ein vorgeschobenes Seitenkorps, bestehend aus 8 Bataillonen und 9 Schwadronen bei Hof. Der anrückende Marschall Soult nötigte ihn, sich von Hof in Richtung Schleiz zurück zuziehen. In Schleiz wurde sein Truppenverband von Marschall Bernadotte angegriffen und zurückgedrängt. Ursache für den Misserfolg der preussischen Truppen waren missverständliche Anweisungen Tauentziens. Man zog sich auf Jena zurück, wo er am 11.10. das Kommando über die gesamten Vortruppen der Hohenlohischen Armeekorps übernahm. Im Gefecht von Jena standen Tauentziens Truppen als erste gegen die angreifenden napoleonischen Truppen und konnten diesem nicht standhalten. Das erneute Sammeln bei Vierzehnheiligen konnte eine Niederlage bei Jena nicht verhindern.

Durch die Kapitulation von Prenzlau am 28.10.1806 brachte auch Tauentzien die Gefangenschaft. Er wurde auf sein Ehrenwort nach Berlin-Charlottenburg entlassen. Da er durch seine Amtsführung in Ansbach-Bayreuth das Missfallen Kaiser Napoleons erregt hatte, wurde er ohne Gerichtsprozess und ohne Anklage am 23.12.1806 in die Festung Bitsch inhaftiert. Erst im April des Jahres 1807 wurde er gegen einen französischen General ausgetauscht. In Posen, wo der Austausch erfolgen sollte, wurde ihm mitgeteilt, das dieses nicht geschehe und er erneut Gefangener des Kaisers wurde. Während seiner Gefangenschaft wurde er noch am 04.05.1807 von König von Preussen zum Generalleutnant befördert. Doch seine Gefangenschaft endete erst nach 16 Monaten im November 1808.

König Friedrich-Wilhelm III. bezog ihn in die Neuorganisation des Heeres ein und betraute Tauentzien mit dem Kommando der Brandenburgischen Brigade in Berlin.  Doch vorab nahm er noch an der Reise des preussischen Hofes zu Zar Alexander I. nach Petersburg teil. Im Februar übernahm er endlich dann das Kommando in Berlin.

 Tauentzien war in dieser Zeit auch Vorgesetzter des Majors Ferdinand von Schill, der Ende April zu seinem Zug nach Norddeutschland aufbrach. In Berlin ging man davon aus, das diese Aktion nicht alleine auf Schill´s Initiative heraus entstanden ist, sondern mindestens auch seine Vorgesetzten Kenntnis gehabt hätten und dieses hätten verhindern müssen. So wurde Tauentzien durch General Stutterheim abgelöst und eine strenge Untersuchung anberaumt. Neben Tauentzien wurden auch der Gouverneur LÉstocq und der Kommandant Chalot ihrer Posten enthoben. In der Kabinettsordre vom 21.07.1809 wurde Tauentzien wieder auf seinen Posten eingesetzt, da ihm als Brigadechef in keinster Weise ein Vorwurf gemacht werden könne.  Er behielt seine Stellung bis zum Jahre 1811 und wurde nach dem Ausscheiden Generals Blüchers, der auf eigenen Wunsch keinen aktiven Dienst mehr leisten wollte, Gouverneur in Pommern.

Als im Frühjahr 1813 der Krieg gegen Frankreich ausbrach, erhoffte sich Tauentzien - auch durch die Fürsprache Zar Alexanders - das Kommando über die preussische Armee zu erhalten. Jedoch galt er bei den Beratern des Königs als nicht geeignet. Er war gegen die Neuerungen der Militärreformer um Gneisenau und Scharnhorst. Außerdem wurde ihm ein Hang zur Gemächlichkeit und Wohlleben attestiert. Da Scharnhorst ihm selbst nicht viel zutraute, sorgte er dafür, das Tauentzien einen tüchtigen Generalstabschef in der Person des Majors Rottenburg beigegeben wurde, der auf Tauentzien großen Einfluss ausüben konnte.

So erfolgte am 05.03.1813 seine Ernennung zum Militärgouverneur der Lande zwischen Weichsel und Oder mit Ausnahme der Provinz Schlesien und erhielt die Aufgabe Stettin zu blockieren. Seiner Bitte auf ein Feldkommando wurde erst im Sommer des Jahres erfüllt. Am 18.07.1813 wurde ihm das Kommando über das neu gebildete IV. Armeekorps übertragen. Er erhielt den Auftrag, je nach militärischer Situation entweder mit der Nordarmee und Karl Johann von Schweden,  dem ehemaligen Gegner Marschall Bernadotte, oder der schlesischen Armee unter Marschall Blücher vorzugehen und die Festungen an Oder und Elbe einzuschließen. Für diese Aufgaben standen in überwiegend Landwehr-Regimenter zur Verfügung, die aus 30.169 Mann Infanterie, 2.789 Reiter und 43 Geschützen bestanden. Die Ausbildung, Bewaffnung und Ausrüstung seiner Truppe war mangelhaft, jedoch waren sie vom patriotischen Geist beflügelt. Sie banden die Truppen Bertrands und trugen so ihren Teil zum Sieg der verbündeten bei Dennwitz am folgenden Tag bei.

Am 20.08.1813 versammelte sich das IV. Armeekorps bei Berlin und marschierte von hier aus unverzüglich zu seiner Aufstellung nach Blankenfelde.  Dort wehrten sie am 22.08. den Angriff der auf Berlin marschierenden Franzosen ab. Er marschierte nun nach Sachsen und nahm am 28.08. Luckau durch die Division Wobeser ein. Da der schwedische KronprinzKarl-Johann Tauentzien größten Handlungsspielraum und Selbstständigkeit hatte, wandte er sch der schlesischen Armee zu. Dies wurde jedoch durch Befehle, die er befolgen musste vereitelt und er vereinigte sich am 04.09.1813 wieder mit der Nordarmee. Nachdem er von einer gemeinsamen Besprechung mit Bülow und den Kronprinzen in seine Stellungen zurückritt, wäre er fast in französische Gefangenschaft geraten. Durch einen Angriff auf sein Korps wurde dieses nach Jüterburg zurückgedrängt. Dort erreichte er es nur wenige Stunden vor einem erneuten Angriff der Franzosen, die damit die Schlacht von Dennewitz eröffneten und durch sein standhaftes Halten konnte er Bülow entlasten, der einen Sieg bei  Dennewitz errang. Als gegen Mittag seine Lage kritisch wurde und seine Offiziere auf Rückzug drängten, sagte der General:

Wenn ein kommandierender General einen anderen ein Versprechen gibt, so darf man nicht daran zweifeln und ich werde eher mit meinem ganzen Korps auf dem Platze liegen bleiben ehe ich einen einzigen Schritt weiche.

Nach dem Gefecht von Dennewitz wollte er sich erneut von der Nordarmee lösen und der Schlesischen Armee unter Blücher anschließen um seinen Tatendrang zu stillen. Doch Karl-Johann witterte diesen Plan und befahl Tauentzien am 29.09.1813 in einer Weise an sich heran, das er diesen Befehl nicht umgehen konnte. Anfang Oktober überschritt er in der Nähe von Dessau die Elbe und sicherte die Elbbrücken und deckte weiterhin Berlin. Als ihm die Nachricht erreichte, das Kaiser Napoleon selbst mit 30.000 Mann von Wittenberg mit dem Ziel Berlin aufgebrochen sei, entschloss er sich selbstständig auf Wittenberg zu marschieren. Er wollte so die Hauptstadt Preussens schützen. Diese Entscheidung brachte ihn harsche Kritik ein. So beurteilte Gneisenau diese rückwärtige Bewegung Tauentziens als eine schmähliche Flucht, während die anderen verbündeten Heere auf dem Vormarsch in Richtung Leipzig waren.

In der Nacht vom 15./16.10. erreichte er mit seinen Truppen Berlin. Sie marschierten jedoch schon einige Tage später zur Elbe zurück und erhielten die Aufgabe, die Festungen an diesen Fluss einzunehmen. Am 26.12.1813 kapitulierte die schon länger von Tauentziens Truppen eingeschlossene Festung Torgau. Am 12./13.01.1814 erstürmte er die Festung Wittenberg. Seine nächste Aufgabe war die Eroberung des schon länger eingeschlossenen Magdeburgs. Es kam zu Verzögerungen bei der Übergabe, da der französische Gouverneur Lemarrois selbst dann verweigerte, als König Ludwig XVIII. - der inzwischen die Regierung in Paris übernommen hatte - dieses anordnete. So konnte Tauentzien erst am 24.05.1814 in die Stadt einziehen.  Nach der Besetzungs Leipzigs folgte er seinen Truppen, die zum Teil schon nach Hessen und Westfalen abegrückt waren.

Für seine Verdienste im Befreiungskrieg wurde er am 03.12.1813 zum General der Infanterie befördert und für die Einnahme der Festung Wittenberg wurde er mit dem Großkreuz des Eisernen Kreuzes und den Ehrennamen "von Wittenberg" beigegeben worden und auch eine Dotation in Aussicht gestellt.

Nach dem Friedensschluss von Paris kehrte er nach Berlin in die Garnision zurück und am 07.08.1814 wurde er zum Generalkommandeur in den Marken rechts der Elbe und in Pommern ernannt. Am Feldzuge des Jahres 1815 nahm er nicht teil. Er wurde beim Beginn des Krieges mit dem Kommando des VI. Armeekorps betraut, das er bei Erfurt und Minden sammelte und nach Frankreich führte. Als er in Frankreich eintraf waren die Kampfhandlungen bereits beendet.  Im Oktober 1815 trat er von der Bretagne aus den Rückmarsch in die Heimat an. Am 03.10.1814 wurde er erneut mit seinem alten Aufgaben als Gouverneur der Marken und Pommerns betraut. Sein Dienstsitz wurde Berlin. Diese Stelle wurde unter Beschränkung des Amtsbereichs in den Amtsbereich eines Kommandierenden Generals des III. Armeekorps ungewandelt.

Im Jahre 1820 führte er nochmals eine diplomatische Mission für den König durch. So reiste er nach London und Frankreich um die Teilnahme Preussen am Tode König Georg III und an der Ermordung des Herzogs von Berry auszurücken.

Nach den Herbstmanövern von 1823 wurde er zum Chef des Infanterie-Regiments Nr. 20 ernannt, das ab 27.01.1889 die offizielle Bezeichnung "Infanterie-Regiment Graf Tauentzien von Wittenberg (3. brandenburgisches) Nr. 20" führt

Tauentzien starb am 20.02.1824 in Berlin. Er war zweimal verheiratet. Nach dem Tode seines Sohnes erlosch auch der Zweig des Geschlechtes Tauentzien.