Philipp Friedrich Heinrich Ranke
* 30.11.1798 in Wiehe
† 02.09.1876 in München
Geboren wurde Philipp Friedrich Heinrich Ranke am 30.11.1798 im kleinen thüringischen Landstädtchen Wiehe am Unterlauf der Unstrut.. Seine Eltern waren der Gerichtsdirektor Gottlieb Israel Ranke und seine Frau Friederike, geborene Lehmike. Die Mutter war die Tochter eines Rittergutbesitzers aus Querfurt. Zu seinen Geschwistern gehörte der berühmte preussische Historiker Leopold von Ranke (1795-1886) und der evangelische Theologe Ernst Ranke (1814 ? 1888).
Seine Ausbildung erhielt er zunächst in der Stadtschule von Wiehe und besuchte von 1811 bis 1815 die Landesschule Pforta, die ein Landesinternat in der Nähe Nauenburgs (Saale) lag. Die Landesschule Porta wurde auch von seinem älteren Bruder Leopold besucht.
Ab 1815 studierte Ranke an der Universität Jena Theologie und Philosophie. Dabei hörte er Vorlesungen des Historikers Heinrich Luden (1778 - 1847) und des Theologen Johann Philipp Gabler (1753 - 1826). Er gehörte der Urburschenschaft an. Durch Christian Leopold Dürre (1796 - 1879) und Jakob Ferdinand Massmann (1797 - 1874) kam er mit den Ideen der Turnbewegung Friedrich Ludwig Jahns in Verbindung und begeisterte sich für diese Ideen. Im Jahre 1817 wechselte Ranke von der Jenaer Universität nach Halle, wo er Philosophie studierte. In dieser Zeit setzte er sich mit Immanuel Kants Kritik der reinen Vernunft und Neue oder anthropologische Kritik der Vernunft von Jakob Friedrich Fries auseinander. Durch seinen Bruder Leopold wurde er auf Fichtes Werk Die Anweisung zum seligen Leben, oder auch die Religionslehre&laqou; von 1806 aufmerksam. Von dieser Schrift ist Ranke nachhaltig beeindruckt. Durch den Kontakt mit dem Medizinprofessor Christian Friedrich Nasse (1748 - 1851) kommt er mit den anti-rationalistischen Neuluthertum des Pastoraltheologen Claus Harms (1778 - 1855) und dem animalischen Magnetismus in den Ansichten von der Nachtseite der Naturwissenschaft von Gotthilf Heinrich von Schubert (1780 - 1860) in Berührung.
Im Jahre 1818 zog es die beiden Ranke-Brüder nach Frankfurt (Oder), wo Philipp Friedrich Heinrich eine Stellung als Lehrer an einer Privatschule angenommen hatte. Im gleichen Jahr reiste er mit Turnvater Jahn nach Berlin. In Berlin besuchte er den Turnplatz an der Hasenheide, die Schwimmschule von Ernst von Pfuels (1779 - 1866) und im Fechten von Johann Friedrich Gottfried Eiselen (1785 - 1865) unterrichtet wurde. Pläne der Brüder Ranke, in Frankfurt (Oder) einen Turnplatz einzurichten zerschlug sich durch die Ermordung August von Kotzebues und den folgenden Karlsbader Beschlüssen.
Während eines Aufenthaltes auf Rügen im Jahre 1820 lernte Ranke Pastor Baier in Altenkirchen, der Nachfolger Ludwig Kosegartens (1758 - 1818) war, kennen. Durch den Pietismus tief greifend beeinflusst, wendete er sich dem bildungsbürgerlichen Kreis der Erweckungsbewegung zu. 1821 bestand er das philologische Staatsexamen, konnte jedoch auf Grund seiner früheren burschenschaftlichen Tätigkeiten keine Anstellung finden. Im folgenden Jahr legte er in Magdeburg das Erste Theologische Examen ab und wurde im Jahre 1823 in Nürnberger Erziehungsinstitut des Reformpädagogen Heinrich Dittmar (1792 - 1866) angestellt.
Durch Pastor Baier, der 1822 überraschend starb, wurde Ranke gebeten, seine Kinder zu erziehen. Dieser Aufgabe widmete er sich zunächst auf Rügen, nahm dann jedoch den späteren Religionsphilosophen Alwill Baier (1811 - 1892) mit nach Nürnberg. Dort erhielt der Knabe eine gute Schulausbildung.
Im Jahre 1824 legte Philipp Friedrich Heinrich Ranke das Zweite Theologische Examen in Ansbach ab. Im Jahre 1826 wurde Ranke Pfarrer in Rückersdorf und wurde 1834 zum Dekan und Distriks-Schulinspektor im oberfränkischen Thurnau ernannt. In dieser Zeit (1834 - 1836) gab er das ?Sonntagsblatt? heraus, das vom Theologen Wilhlem Redenbacher (1800 - 1876) gegründet wurde. Im Jahre 1840 wurde er zum Nachfolger des verstorbenen Lehrstuhlinhabers Hermann Olshausen (1796 - 1839) ordentlicher Professor der Dogmatik an der Universität Erlangen. Dies geschah, obwohl die Fakultät sich gegen diese Ernennung wehrte.
Von nun an machte er eine steile Karriere in der evangelischen Kirche Bayerns. Im Jahre 1841 wurde er zunächst Konsistorialrat in Bayreuth, 1845 folgte die Ernennung zum Konsistorialrat von Ansbach. 1859 wurde er zum ersten Konsistorialrat befördert. In dieser Zeit war er auch in die Auseinandersetzung zwischen den Theologen Wilhelm Löhe (1808 - 1872) und Adolf Harless (1806 - 1879) um das Verständnis des geistlichen Amtes verwickelt.
Bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1873 wurde er noch Oberkonsistorialrat in München. Ranke hat während seiner kirchlichen Schaffensperiode erheblichen Einfluss auf die Durchsetzung der Erweckungskirche in Bayern gehabt. Außerdem setzte er sich für die Entwicklung der Inneren Mission ein. Seine Auslegung des Alten Testaments galt als schriftpositivistisch und galt als Gegner des Theologischen Rationalismus.
Er dichtete und übersetzte auch zahlreiche Kirchenlieder. Wobei zu seinen berühmtesten Werken das 1826 getextete Adventslied Töchter Zion, freue dich! und das Weihnachtslied Herbei, o ihr Gläubigen gehört.
Philipp Friedrich Heinrich Ranke verstarb am 02.09.1876 in München und wurde zwei Tage später beigesetzt. Seine Grabrede hielt der erste evangelische Pfarrer Münchens Karl Buchrucker (1827 - 1899). Friedrich Heinrich von Ranke war seit 1825 mit Selma Schubert, einer Tochter des Arztes und Naturforschers Gotthilf Heinrich von Schuberts, verheiratet. Insgesamt hatte das Paar 8 Kinder, zu denen der spätere Kinderarzt Heinrich von Ranke (1830 - 1909) und der Anthropologe Johannes Rannke (1836 - 1916) gehörte.
Werksübersicht
- Untersuchungen über den Pentateuch, aus dem Gebiete der höheren Kritik (1. Bd. 1834, 2. Bd. 1840)
- Abschieds-Predigt über 1 Joh 2,28 gehalten in Rückersdorf am 3. Sonntag n. Ostern (1834)
- Die Schwierigkeiten des christlichen Predigtamtes in unserer Zeit. Eine Synodal-Rede (1837)
- Predigten, 3 Teile (1837-42)
- 18613. Sprüche, Lieder und Katechismus für die Kleinen, (1839)
- Übersetzung von John Bunyan.: Des Christen Wallfahrt nach der himmlischen Stadt. Mit einer Einleitung von G.H. Schubert (1845)
- Zeugniß von Christo. Predigten über die Evangelien des Kirchenjahrs (1. Theil, 1846, 2. Sammlung 1848)
- Vater, verkläre deinen Namen. Predigt über Joh 12, 27 f. (1848)
- Woran wir vor allen Dingen festzuhalten haben in unserer entscheidungsvollen Zeit. Predigt über Micha 6,8, (1848)
- Predigten aus dem Jahre 1848. Ein Zeugnis gegen den Geist der Revolution und des Abfalls von Gott, (1849)
- Ich will euch nicht Waisen lassen, ich komme zu euch. Predigt zum Schluß der vereinigten Generalsynode zu Ansbach, am 23. Febr. 1849 (1849)
- Das Leben in Christo. Predigten über die Episteln des Kirchenjahres, (1853-55)
- Gotthilf Heinrich v. Schubert. Mittheilungen über die letzten Tage desselben (1860)
- Das Wunder von Bethania (1862)
- Gotthilf Heinrich Schubert, Die Symbolik des Trauerns, hrsg. v. R (1862)
- Abschiedsworte (1866)
- Gebete über Worte der heiligen Schrift (1867)
- Jugenderinnerungen mit Blicken auf das spätere Leben (1868)
- Rückerinnerungen an Schulpforta (1814-1821) (1874)
